Megatrend: Altersstark

July 19, 2010

Megatrend: Altersstark

Die demografische Entwicklung der Schweiz ist durch eine steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenziffern gekennzeichnet. Folglich verschiebt sich der Altersaufbau der Gesellschaft. Der sinkenden Zahl junger Menschen wird künftig die wachsende Zahl Älterer gegenüberstehen. Heute sind von 100 Person in der Schweiz knapp 17 über 65 Jahre alt. 2025 werden es schon 19 Personen und 2050 sogar 22 sein.


Dank den Fortschritten in Ernährung, Gesundheitspflege und Medizin sowie dem allgemeinen Wohlstandszuwachs ist für Menschen die Lebenserwartung in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen. Und sie wird weiter steigen. In der Presse wird die „Alterung“ unserer Gesellschaft stets negativ bewertet. Demographische Alterung und deren Auswirkungen auf die Gesundheitskosten als Schlagzeile. Dabei gibt es neben dem statistischen Alterungsprozess auch durchwegs positive und chancenreiche Seiten des demografischen Wandels:

Das Alter wird von der Menschheit neu definiert.
Heute gilt das „gefühlte Alter“, also tatsächliches Alter minus 8 bis 14 Jahre. In ihrer eigenen Wahrnehmung empfinden sich die 50-Jährigen eher wie 37, die 65-Jährigen sind die neuen 50-Jährigen, viele 70-Jährige verhalten sich inzwischen eher wie früher 60-Jährige.

Dieser Trend wird Down-Aging gennant, prägt die Silberne Revolution mass-geblich und hat bereits Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum und wird in den kommenden Jahren massiv steigen.

Das Bedürfnis, ewig jung zu sein, jung auszusehen und sich jugendlich zu verhalten ist nicht neu. Neu ist, es äussert sich in weit mehr Lebensbereichen als noch vor 10 Jahren: Die „Anti-Aging-Industrie“ boomt nach wie vor, Viagra lässt den reifen Herren zu jugendlichen Höchstleistungen auflaufen und die Nachfrage nach Schönheitsoperationen ist ungebrochen hoch. Die 60-Plus-Generation, in Marketingkreisen auch als Best Ager, Silver Customer oder Sceniors bekannt, agiert besonders sprunghaft und dynamisch und – wer es kann – geniesst es, dass der Nachwuchs endlich aus dem Haus ist. Der Rest muss wohl oder übel trotz Rentenalters noch weiter arbeiten und bessert sich seine immer geringer werdende Rentenkasse mit Jobs als Pizzakurier oder Nachtportier auf. Nicht nur die Nachfrage nach vermeintlichen „Studentenjobs“, auch die Konsummuster entkoppeln sich immer stärker vom Alter. Denn wer wie ein Jugendlicher konsumiert, wirkt auch jünger.

Obwohl wir immer älter werden, wollen wir ewig jung bleiben. Einige Unternehmen haben diesen Trend bereits erkannt. Wenn ich zum Beispiel den Apple Store besuche, senke ich mit meinen 35 Jahren das Durchschnittsalter deutlich. Mit dem iPad zielt Apple auch auf wohlhabende Käuferschicht „Senioren“. Es ist zwar für eine fundierte Aussage noch zu früh, doch haben bereits sehr viele ältere Menschen ein iPad erstanden. So wie die z.B. die pensionierte 78-jährige Lehrerin Rita Schena aus Kalifornien. Gemäss dem San Francisco Chronicle ist Rita begeister vom iPad, weil das iPad so leicht sei, dass sie es immer in der Tasche dabei haben kann und weil sie damit Bücher lesen und ihre E-Mails der Enkelkinder lesen kann. Das große iPad-Display sei ein weiteres Plus.

Das iPad belohnt die Anwender sofort mit direkten intuitiven Aktionen und genau das wollen Nicht-Technikfreaks. Auf ein Symbol klicken – Online. Oder auf ein anderes Symbol klicken und die neusten Börsennachrichten werden geöffnet. Die Senioren haben beim iPad ihre Berührungsängste abgelegt.

Etwas bestimmt, aber unsmissverständlich geht die Plattform www.rentarentner.ch auf die Zielgruppe Rentner zu: „Alte Säcke und alte Schachteln gesucht“! Der Werbeslogan der Firma ist ein grosser Stich in unser Customer-Centric-Herz, verlangt aber «hoffentlich auch ein Lachen ab», meint der Bachenbülacher Gründer Peter Hildebrand im Zürcher Unterländer.

Seine Idee finden wir aber bestechend: Ältere Menschen haben viel Fachwissen und sind zudem vertrauenswürdig. Die Plattform rent-a-renter.ch möchte genau das nutzen. Auf der Plattform bieten Rentner ihre Dienste als Hilfskraft an. Ich kann mir zum Beispiel einen Rentner für lästige Arbeiten wie Gespräche führen, Begleitservice für Anlässe, Buchhaltung, Fenster lüften, Briefkasten leeren, Pflanzen giessen, Textverarbeitung für Anfänger, Internet und E-Mail für Anfänger, Schreibarbeiten und sogar Sex/Liebe ab CHF 20.00 pro Stunde mieten. Naja, wenn das kein Angebot ist!

Thomas Landis

Ihr Kommentar

Angemeldet als (Abmelden)